Der Thaddenteich – Ein Biotop in Bewegung!

Im Rahmen der 8er- Bauhütte im Frühjahr 2026 wurde mit der Neugestaltung des Thaddenteichs begonnen. Ein guter Zeitpunkt, einmal den Blick auf dessen vielfältige Geschichte zu werfen: die ehemalige Thadden-Schülerin Nicole Krautschneider berichtete 1987 ausführlich von den Anfängen des ursprünglichen Thaddenteichs auf dem Parkgelände selbst in der Nähe des Grabes der Familie La Roche. Im Jahr 1983 wurde das Projekt mit der Idee angestoßen, ein aus ökologischer Perspektive dringend benötigtes Feuchtbiotop im Einzugsgebiet des Neckars anzulegen. Nach einer langen Planungsphase konnte im Sommer 1984 endlich zur Tat geschritten werden, das der Freunde und Förderer der Schule e.V. und die damalige Klasse 9a die benötigte Finanzierung ermöglichte. Mit großem Enthusiasmus wurde bis zu 1,8 m tief ausgehoben, Folie verlegt, bepflanzt und der Abiturjahrgang 1984 spendete sogar eine Bank mit Blick auf das Biotop. Das große folgende Interesse der Schüler*innenschaft wurde dem Teich jedoch von Beginn an zum Verhängnis: Wasserschlachten und grober Vandalismus konnten auch durch intensive Sensibilisierungskampagnen, Teichwachen und zeitweise Sperrungen bis in das Jahr 1987 nicht verhindert werden.

Durch seine schattige Lage und eine steile Uferböschung entwickelte sich das Leben im Teich zudem nur sehr schleppend bis unzureichend, wie ein Parkgutachten aus dem Jahr 1992 urteilte. So wurde auf Initiative der Lehrkräfte Dr. Regine Buyer und Roland Christen 1995 die Neuanlage des Teiches, aber vor allem dessen Verlegung auf das Gelände des Hausmeisterhauses, welches durch die Hostig vom übrigen Thaddengelände abgeschnitten ist, angestoßen.

Der neu angelegte und auch heute noch an diesem Ort bestehende Thaddenteich war seither für viele Schüler*innen-Generationen lebendiger Teil eines naturnahen Biologie-Unterrichts und engagierter AG- Stunden. Manch gesteigertes Interesse führte sogar zu intensiven Umweltstudien, wie z.B. einer „Jugend forscht“- Arbeit zur Entwicklung der hiesigen Kleinstlebewesen im Jahr 2013. Gepflegt und laufend untersucht wird der Teich durch die Teich- AG. Dabei wurde im Laufe der letzten Jahre schmerzlich festgestellt, dass der starke herbstliche Laubeintrag der umliegenden Bäume für eine Verschlammung des Teiches sorgte, wovon zwar die Teichrose und offenbar auch die zahlreichen Bergmolche profitierten, die freie Wassersäule verringerte sich jedoch auf 20-30 Zentimeter Tiefe. So konnten bei Arterfassungen nur noch wenig ökologische Vielfalt festgestellt werden. Zudem erforderten Lecks in der Teichfolie das Auffüllen großer sommerlicher Wasserverluste durch Familie Balbach.

Im alten Schulteich überwogen Teichrose, Sumpf-Schwertlilie und Seggen. Auch die Pflanzenarten Igelkolben und Sumpfdotterblume wurden immer wieder bestimmt. Trotz der geringen Wassersäule konnten verschiedene Lebewesen gefunden werden. So fingen die Schüler*innen nicht nur Spitzschlammschnecke und Waffenfliegenlarve, sondern auch Egel, Rückenschwimmer, Wasserläufer, Libellenlarven, Wasserflöhe und Mückenlarven. Besonderes Highlight waren aber immer die Bergmolche, die wegen des vielen Schlamms aber oft nur schlecht beobachtet werden konnten.

Voller Einsatz beim Ablassen des alten Teichs

Und so fiel im Herbst 2025 die Entscheidung einer tiefgreifenden Neugestaltung im Rahmen der Bauhütte 2026: am 16. März begannen 10 Schüler*innen unter Anleitung von Johannes von der Werkstattschule mit dem sorgsamen Abschöpfen und Absammeln der Lebewesen des Teiches: 250 Bergmolche und 300 Großlibellenlarven kamen in vier Tagen zusammen, dazu Spitzschlammschnecken und viele weitere Lebewesen, die alle vorsichtig in drei Behelfsbecken verbracht und mit Lebendfutter und Teichventilation versorgt wurden. Die Behelfsbecken waren dabei so gestaltet, dass ein Abwandern der Teichmolche immer möglich war, um den Stress für die Tiere zu reduzieren.
In der ca. 120 cm tiefen lockeren Brack- und Schlammschicht des alten Teichs fanden sich v.a. riesige Rhizome der Teichrose, groß wie Anakondas. Die Schüler*innengruppe bekämpfte diese tapfer in Wathosen und brachte die im alten Teich alles dominierende Pflanzen in Teilen in den Behelfsbecken unter. Nachdem alle umliegenden Grünflächen mit Teichschlamm gedüngt worden waren, entfernte die Gruppe die alte Teichfolie und das Teichfließ. Mit Spitzhacken und Spaten wurde zudem begonnen, die geplante Teichform zu modellieren: der neue Teich ist etwas tiefer und wurde etwas nach vorne verlegt.

Ein Landschaftsgärtner modellierte in den folgenden Wochen nun sorgsam einen vergrößerten Teich, mit drei Ebenen: eine Flachwasserzone, einem tieferen Ring und einem Zentrum mit etwa 170 Zentimetern Tiefe. Die Ebenen sind jeweils klar segmentiert und wurden bereits bepflanzt. Ein kleiner Steg aus Steinstelen ermöglicht das Beobachten und bequeme Keschern auch im tiefen Bereich.

Viele Bergmolche fanden über Ausstiegsrampen schon nach kurzer Zeit den Weg in den neuen Teich, auch Erdkröten waren schnell in der Flachwasserzone zu beobachten. Aus den Behelfsbecken mussten nach Abschluss der Bauarbeiten vor allem Großlibellenlarven zurückgesetzt werden.

Im Rahmen des Heidelberger Schulprojektes „Artenreicher Schulhof“, durch das die Neugestaltung mitfinanziert werden konnte, werden wir nun mit Hilfe von iNaturalist erfassen, inwieweit die Neugestaltung zu einer ökologischen Aufwertung beitragen wird.

Bei der Neubepflanzung des Teichs wurde bereits auf eine höhere Artenvielfalt gesetzt. So finden sich dort nun neben Teichrose, Sumpf-Schwertlilie und zwei Seggen-Arten auch Tannenwedel, Pfeilkraut, Hornkaut, Breitblättrige Rohrkolben, Wasserminze und Blutweiderich.

Im September 2026 zeigt sich der neue Thadden-Teich schon sehr vital.

In den Wochen nach der Neugestaltung konnten neben Wasserlinsen, die wahrscheinlich durch Vögel eingetragen wurden auch schon viele Tiere entdeckt werden. Neben Kaulquappen der Erdkröte und Bergmolchen auch viele Spitzschlammschnecken, Libellenlarven der Blaugrünen-Mosaikjungfer und der Prachtlibelle, Egel, Schwimmkäfer, Teichläufer und verschiedenste Larvenarten.

Im Herbst 2026 soll nun noch die Vegetationszone um den Teich herum angelegt werden, um semiaquatischen Organismen den Wechsel zwischen Land und Wasser zu erleichtern.

Im Oktober 2026 sind alle gesetzten Teichpflanzen gut angewachsen.

Fabian Neubrand (Artenangaben von Frau Zarda)